30.11.2020

INTERVIEW!

Mit großer Freude darf ich kund tun, dass ich im Podcast "BACKSTAGE!" von Schauspielerin, Autorin und Hörspielsprecherin Leni Bohrmann mein Projekt AUS MISANTHROPOLIS vorstellen durfte!

Einen Blick hinter die Kulissen, die Hintergründe und die ein oder andere Anekdote von und über AUS MISANTHROPOLIS bekommt ihr in der heute veröffentlichten Ausgabe des Kulturpodcasts:

Hört rein und lasst gerne einen Like, ein kostenloses Abo und / oder einen Kommentar dort:

https://backstage.podcaster.de/2020/11/30/folge-38-der-etwas-andere-selbstfindungs-podcast-aus-misanthropolis/

Vielen Dank an Leni vom Backstage Podcast!

Bericht 6 - Kurz beim Arzt: Teil 2

Audio herunterladen: MP3 | AAC | OGG | OPUS

2.) Bericht 01: Kurz zum Arzt – Teil 2

Heute ist noch immer „Ärzte-Tag“ - der Tag, an dem ich versuche, möglichste viele Termine an nur einem Urlaubstag zu erledigen. Station 1 habe ich bereits überlebt – also nichts wie weiter zu:

Station 2: Zahnarzt, nur zur Kontrolle

Zahnärzte sind sicherlich in der Rangliste der unbeliebtesten Ärzte unter den Top 3. Ich persönlich hatte bisher allerdings immer ziemliches Glück und musste keine großen Torturen über mich ergehen lassen. Vor allem bei den jährlichen Routine-Untersuchen komme ich immer sehr schnell mit allem durch: mein Rekord liegt bei 7 Minuten ab dem Betreten der Praxis. Keine Löcher, kein Zahnstein, nix wackelt oder bröckelt.

Entsprechend routiniert melde ich mich an und bin nicht überrascht, auch dieses Mal wieder direkt in den Behandlungsraum geführt zu werden. Dort nehme ich Platz und sogleich kommt auch schon die Ärztin herein.

Doch halt, die Ärztin ist es nicht. Diese Person schein mir neu in der Praxis, in der ich schon seit Kindertagen Patient bin.

  • „GUTEN TAG HERR ANTHROP, WIE GEHT ES IHNEN?"

  • "Och danke, soweit ganz gu…"

  • "HABEN SIE SCHON EINMAL ÜBER EINE PROFESSIONELLE ZAHNREINIGUNG NACHGEDACHT? DAS WÜRDE SICH AUCH BEI IHNEN ANBIETEN. DAS, WAS DIE KRANKENKASSEN BEI DER KONTROLLE ÜBERNEHMEN REICHT JA EIGENTLICH VORNE UND HINTEN NICHT AUS. DABEI IST MIT ZAHNSTEIN NICHT ZU SPASSEN. ABER SIE WISSEN JA WIE KRANKENKASSEN SIND. MANCHE ÜBERNEHMEN DANN EINEN TEIL DER KOSTEN, DA MÜSSTEN SIE MAL SCHAUEN, ANSONSTEN MÜSSTEN SIE DIE SELBER BEZAHLEN. ABER ICH WÜRDE DIE IN IHREM FALL SCHON WIRKLICH EMPFEHLEN."

  • "Ähm… soll ich den Mund nicht vielleicht erstmal aufmachen, damit Sie schauen kö…"

  • "SIE KÖNNEN DANN VORNE EINFACH EINEN TERMIN MACHEN. FRAU DOKTOR KOMMT DANN NUN GLEICH ZU IHNEN."

Etwas irritiert lässt sich mich zurück, verlässt den Raum und noch bevor sie die Tür hinter sich zugezogen hat höre ich sie noch rufen "Frau Inge Müller bitte in Zimmer 1".

Erst als dann die gewohnte Person für die Belange rund um meine Beißer durch die Tür rauscht, kehre ich auch gedanklich ins „Hier und Jetzt“ zurück. Ohne viel Geplänkel werde ich in den Stuhl gedrückt und das gleißende Licht des Arztstuhl-Strahlers nimmt mir umgehend mein Sehvermögen. Ein erneuter großzügiger Schuss Desinfektionsmittel auf die behandschuhten Hände sorgt dafür, dass sich kurz darauf der Geruch des Mittels gleichermaßen gnadenlos in meiner Nase festsetzt, wie sich zeitgleich dessen Geschmack auch auf meiner Zunge ausbreitet, während die gute Frau Doktor gefühlt mit 12 Fingern in meinem Mundraum rumfuhrwerkt.

Nahezu aller meiner Sinne beraubt bin ich nun ein leichtes Opfer für Smalltalk.

  • „NA PHIL, WIE GEHT ES IHNEN? GUT INS NEUE JAHR GEKOMMEN? MAN KANN JA NUR HOFFEN, DAS ES BESSER WIRD ALS DAS LETZTE, NE? ABER WAS WILL MAN MACHEN, ODER? WEGFAHREN FEHLT EINEM JA SCHON AUCH, STIMMT’S? HATTEN SIE DA AUCH SCHON PLÄNE? JA KANN MAN ALLES VERGESSEN, NE? HOFFEN WIR MAL DAS DIE IMPFEN HELFEN, WA‘? WÜRDEN SIE SICH IMPFEN LASSEN? ALSO WIR ALS ÄRZTE MÜSSEN JA…"

Der weitere Verlauf des Monologs geht in dem ohrenbetäubendem Rauschen des Speichelsaugers unter. Nicht tragisch, da ich eh nicht antworten kann, weil mittlerweile auch noch die dazugekommene zahnmedizinische Fachangestellte mit weiteren 17 Fingern in meiner Kiefergegend herumrödelt.

„Speichelsauger“ – sollte ich mal als Gerät wiedergeboren werden, wäre das sicher eines der letzten, dass ich mir aussuchen würde. Manche scheinen das allerdings in ihrem vorherigen Leben bereits gewesen zu sein, so läuft mir der ein oder andere „Speichelsauger“ doch auch im Büro über den Weg. Kurz erinnere ich mich noch, dass man mir mal erzählt hat, dass man den kleineren Speichelsauger Kindern gegenüber auch „den kleinen Schlürfer“ nennt, da wird plötzlich von mir abgelassen und ich habe meinen Mund wieder für mich und auch meine Sehkraft zurück.

Man hat nichts gefunden und ich kann gehe. Ich bedanke und verabschiede mich und verlasse die Praxis. In meinem Auto schaue ich in den Rückspiegel: okay, ich sehe nicht aus wie Steven Tyler – mein Mund wurde also nicht wie befürchtet komplett ausgedehnt und sieht normal aus. Also weiter geht es: zur letzten Station für heute:

_Station 3: Orthopäde, Röntgen _

Pünktlich um 11:10 Uhr komme ich für meinen Termin um 11:20 Uhr in der orthopädischen Klinik von Doktor Grätenklaus an und verweile im Wartezimmer.

Jetzt ist es mittlerweile 12:40 Uhr.

Um mich herum stapeln sich die Leute, von CORNONA-Abstand keine Spur – aber auch keine Chance: Teilweise warten auch schon Patienten außerhalb der Praxis in der Eingangshalle. Ich sitze in eine Ecke gequetscht und versuche meine Schulter im Gemäuer zu versenken, um zu meinem Nebenmann wenigstens den physisch maximal möglichen Abstand zu erzielen.

Stehen ist für mich bei der aktuellen Wartezeit keine Option. Leider zum Leidwesen einer älteren Dame, die neu dazu gekommen ist und sich ausdrucksvoll nach einem Sitzplatz umschaut. Niemand reagiert. Auch ich nicht. „Schönen Gruß an Inge!“, grummle ich gedanklich und wenig ehrenvoll, als sich dann doch noch ein Herr Mitte 50 bemüht und der Dame seinen Stuhl anbietet.

Ja gut klar bin ich jünger – aber wir sind hier nicht im Bus, sondern beim Orthopäden: vielleicht hat die gute Dame Problemchen mit der Hand und kann dann letztendlich noch besser stehen als ich? So rede ich mir meinen durch Wartefrust geschürten Trotz selber schön. Weitere Minuten vergehen. Viele Minuten. Weitere Patienten strömen ein; weit mehr, als in die Untersuchungsräume gerufen werden.

Um 13:35 Uhr stapft eine männliche Arzthelferin in den überfüllten Raum und steuert auf mich zu.

  • „ES IST SEHR VOLL. WÜRDEN SIE VIELLEICHT EIN ANDERES MAL WIEDER KOMMEN?"

  • "Ääääähm… Ungern?"

  • „ES IST SEHR VOLL.“

  • "Es ist: sehr lange her, dass es 11:20 Uhr und damit Zeit für meinen Termin war!“

Der Arzthelfer macht kehrt und verlässt schnurstracks den Raum.

Ernsthaft? Niemand anderes wird gebeten zu gehen? Ich wäre jetzt das Bauernopfer?? Ich bin jetzt der Stöpsel, den man zieht, damit die Patientenflut abfließen kann???

Hatte ich zwischenzeitlich mit dem Gedanken gespielt, aufgrund der enormen Verzögerung aufzugeben und freiwillig zu gehen, habe ich nun neue Motivation getankt: Ich verlasse diese Praxis erst, wenn ich an der Reihe gewesen bin, und wenn es bis 19 Uh…

  • „HERR ANTHROP bitte in die 3.“

Ach guck, es geht doch. Ich darf das Wartezimmer verlassen – und sitze nun auf dem Flur. Vor Zimmer 3. Zusammen mit fünf anderen. Naja, immerhin.

Weitere 20 Minuten später wird mein Bein geröntgt, ich warte erneut 35 Minuten und dann, ja dann, darf ich endlich zum Doktor – zumindest, zu seinem Schreibtisch. Davor darf ich nun platz nehmen; dahinter sitzt allerdings niemand.

Ich warte. Meine Blicke kreisen umher und treffen immer wieder auf verschiedene Bilder eines Brautpaares, wobei man immer nur den Arm des Bräutigams sieht, während die Braut komplett zu sehen ist: Mal auf einer Burgmauer, mal auf einem spanischen Balkon, mal in einer Achterbahn, mal in einem Kellergemäuer… Junge junge, die waren aber ordentlich unterwegs an ihrem Hochzeitstag.

Darüber verwundert betrachte ich das Bild genauer – und stelle fest, dass die Braut gar keine Frau ist… sondern … eine Schaufensterpuppe…

„Okaaaay“, denke ich mir und rutsche in meinem Stuhl nach hinten, „das ist schon eeeetwas strange!?“

Das Erscheinen des Arztes reißt mich aus meiner Irritation. Dieser setzt sich an seinen Tisch – und schweigt.

Ich warte.

Er schaut mich an.

  • „Öhm… Ja hallo, mein Name ist…“

  • „PHIL ANTHROP, STEHT JA HIER.“

  • „Joah …gut … und was steht da noch?“

  • „NICHTS.“

  • „Das ist ja nicht viel.“

  • „DAS STIMMT.“

…Stille…

  • „Was hat das röntgen denn nun ergeben?“

  • „NICHTS.“

  • „Das bedeutet jetzt?“

  • „DAS ALLES IN ORDNUNG IST.“

  • „Ja aber ich hab ja Schmerzen…“

  • „DAS HAT MAN SCHON MAL, DAS EINEM DAS KNIE WEH TUT.“

  • „Mir „tut aber nicht mal das Knie weh“, ich habe anhaltende Schmerzen in den Gelenken: beim Stehen, beim Sitzen, beim Liegen,…“

  • „AUS ORTHOPÄDISCHER SICHT IST ALLES ORDNUNG.“

  • „Nun gut, danke. Dann ist immerhin orthopädisch alles in Ordnung, AUS MISANTHROPOLISCHER Sicht kann ich Ihnen auch etwas diagnostizieren: da ist auch alles in Ordnung bei IHNEN. Einen schönen Tag noch…!“

WEITERE QUELLEN: Intro und Outro: Instrumental von StuBeatZ - http://bit.ly/MMH-Beatz Soundeffekte: www.salamisound.de


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