30.11.2020

INTERVIEW!

Mit großer Freude darf ich kund tun, dass ich im Podcast "BACKSTAGE!" von Schauspielerin, Autorin und Hörspielsprecherin Leni Bohrmann mein Projekt AUS MISANTHROPOLIS vorstellen durfte!

Einen Blick hinter die Kulissen, die Hintergründe und die ein oder andere Anekdote von und über AUS MISANTHROPOLIS bekommt ihr in der heute veröffentlichten Ausgabe des Kulturpodcasts:

Hört rein und lasst gerne einen Like, ein kostenloses Abo und / oder einen Kommentar dort:

https://backstage.podcaster.de/2020/11/30/folge-38-der-etwas-andere-selbstfindungs-podcast-aus-misanthropolis/

Vielen Dank an Leni vom Backstage Podcast!

Bericht 01 - Kurz mit dem Hund

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1) Kurz mit dem Hund

Neben dem Haus, in dem ich lebe, befindet sich ein großes Feld. Es ist aktuell größtenteils mit Gelbsenf bepflanzt, doch zur Straße hin gibt es eine Fläche von mehr als einem halben Fußballplatz, die überwiegend aus Gras besteht…Also jetzt im Sinne von "Rasen"… Der perfekte Ort für einen Hund, um leinenlos Bällen und Wurfspielzeugen hinterher zu jagen. Wie passend, dass ich sogar einen Hund habe - denn so nutzen wir beide dieses Feld auch bestmöglich als bequem gelegene Auspower-Area. Die dort eher selten vorbei fahrenden Autos interessieren uns dabei genau so wenig wie Fußgänger und Fahrradfahrer. Ganz im Gegensatz dazu verhält es sich aber bei anderen Vierbeinern.

So rufe ICH meinen Hund umgehend zu mir, wenn ich sehe, dass einer seiner Artgenossen des Wegs daher kommt - denn dieser wird meistens begleitet von einem Artgenossen meinerseits: dem Hundebesitzer…

Von diesen gibt es direkt mehrere Kategorien:

  • die, deren Kinderwunsch nun mit der Fellversion eines Zöglings kompensiert wird; deren Kosmos nur aus den "kleinen Fellnasen" besteht. Ja genau, von jenen Leuten die Begriffe wie "Fellnasen" so verwenden als wäre das nicht absolut bescheuert, reden wir hier… "Fellnasen" - dabei ist doch ausgerechnet die Nase eine der wenigen stellen, an denen so ein Tier eben genau KEIN Fell hat. Für "Fellnasen" wird auch extra Essen gekocht. Aus dem guten Biofleisch. Vom Biohof. Das wird auch nur Kleingeschnitten serviert.

  • auch eine Gruppe für sich sind die "Hunde-Sportler". Das sind die, die mit ihrer Outdoor-Funktionskleidung in ihren zur Hälfte aus Hundekäfig bestehen VW CADDY steigen, um damit zwei mal unter der Woche und natürlich an den Wochenenden zu Hundesportplätzen zu fahren. Die, die einen ganz verächtlich anschauen, wenn man mit seinem Hund nicht in Militärbefehlen kommuniziert oder die Leine "einfach so" in der Hand hält statt sie sich - wie es sich gehört - über die Schulter zu hängen. Von links oben nach rechts unten. Oder…was weiß ich…

  • im Gegensatz dazu steht "Team: Leinen los", welches sich gar nicht erst die Mühe macht seinen Hund an einer Leine zu führen und diesen einfach laufen lässt. "Die Leine, die uns verbindet, kann man mit den Augen nicht sehen…" Ja ne, ist klar… Den Strick, den ich gerade vor meinem geistigen Auge um den Hals lege, ebenfalls nicht… Sollen doch die anderen Zusehen, dass es nicht zu einer Zerfleischung oder ungewollten Begattung kommt…

  • dann gibt es noch diejenigen, die im Anflug von "Oh, Hundewelpen sind so süß, lass uns uns auch einen Welpen holen, ich hab da letztens welche in einer Insta-Story gesehen" eine solche (meist durch weibliche Engelszungen getriebene) Anschaffung getätigt haben und es dann bereuen, weil so ein Hund doch tatsächlich auch Arbeit macht und Geld kostet. Was für ein Mistvieh!

Es gibt noch reichlich weitere (und irgendwie sind viele davon erschreckend gut Übertragbar von Hundehaltern auf Eltern, wie mir gerade auffällt…). Mir persönlich reicht jedenfalls die Einteilung in die beiden Hauptgruppen, die da wären:

- die Sympathischen:

-- das sind diejenigen, die mit ihrem Hund einfach an einem vorbei gehen. Um in diese Oberkategorie zu gehören ist es dabei wichtig, maximal einen Wortwechsel von nicht mehr als zwei Worten zu starten. "Guten Morgen" oder "Guten Tag" bieten sich da an und sind somit auch genehmigt, "Hallo" ist sogar noch besser.

Die andere Oberkategorie hingehen betrifft:

- die Unsympathischen

-- diese leider weitaus verbreitetere Art gibt sich bedauerlicherweise nicht damit zufrieden, sich stummen Schrittes mit dem Hund fortzubewegen oder sich auf die sympathische Anzahl von zwei Worten zu beschränken. Nein. Die Unsympathischen sind der Auffassung, dass jemand ein ebenso großes Mitteilungsbedürfnis wie er selbst zu haben hat, wenn der Gegenüber den scheinbar unfassbaren Umstand teilt, sein Leben ebenfalls mit einem Hund zu verbringen… Für sie ist ein Spaziergang mit dem Hund keine Pflicht gegenüber jenem Hund: es ist die Pflicht dabei seinen eigenen seelischen Verwandten zu finden - und um dies zu ermitteln kommt man um einen angeregten Plausch nicht herum!

Der Einstieg ist mit einem irre kreativen "Na das ist aber auch ein Schöner" schnell geschafft. (Selten bin dabei ICH gemeint. Ist aber in den meisten Fällen auch besser so.) Anschließend wird noch schnell das Protokoll abgefragt: Geschlecht, Alter und natürlich die Anforderung zur Bestätigung dessen, dass man als offensichtlicher Hunde-Pro die Rasse selbstverständlich korrekt erkannt und benannt hat, wobei gerne auch mal ein "Joooah, du bist aber ein Feiner" als "Trenner" zwischen den Grund-Fragen eingebaut werden kann.

Auf weitere Fragen wie "Herkunft bzw. Stammbaum (Bauernhof)", "Farbe der Kotbeutel (aktuell lila)" oder "Konsistenz des Kotes (tagesformabhängig)" bin ich vorsichtshalber vorbereitet, abgefragt wird dies aber seltener. Denn das was "die Unsympathischen" noch lieber tun, als andere Hundebesitzer von der Beschäftigung mit deren Hund abzuhalten in dem man Dinge über jenen Hund erfragt ist natürlich über den eigenen Hund zu erzählen….

Dies starten meist unmittelbar (und auch ungefragt) nach der Beantwortung eben erwähnten Grundfragen. Hier wird mit Stolz und zumeist inbrünstig über die komplette Lebensgeschichte des Hundes referiert (hier werde dann Herkunft, Stammbaum und Kotkonsistenz eben dann doch ins Gespräch eingeflochten) um das Bild des "Tausendsassas der Hundehaltung" vor dem geistigen Auge in Marmor zu meißeln.

In Misanthropolis läuft einem so ein Unsympath natürlich andauern über den Weg. Vor allem dann, wenn man "mal eben noch schnell eine Runde mit dem Hund spielen" will…

Wie wir nun also gerade einen Fuß auf's nachbarschaftliche Feld gesetzt haben, stürzt genau ein solcher in der Art auf mich zu, wie es sonst Fliegen bei einem Haufen Scheiße tun. (Wobei: in meinem Fall stürzt sich eher der Haufen auf die arme Fliege?!) Nachdem die Grundfragen abgearbeitet worden sind, folgt der "Ich bin so ein geiler Hundetyp"-Monolog. Wie komme ich da nur raus…?

  • "GESTERN HABEN WIR ZWEI BEIDE 20KM GEMACHT."

  • "Oh."

  • "MIT DEM FAHRRAD."

  • "Aha. (Hat der Hund sein eigenes Bike oder geht es wohl um ein Tandem?)"

  • "ER LÄUFT GUT AM RAD."

  • "Na das ist doch toll. (Und ich dreh gleich am Rad)"

  • "WIE WEIT IST EURE RUNDE DENN SO?"

  • "Wir gehen meist hier einmal um den Block oder spielen hier auf dem Feld…" (scheinbar sind wir schon beim „Du“. Yay.)

  • "ICH HABE MIR EXTRA SO EINE HANDWERKER-HOSE IN EINEM BERUFSBEKLEIDUNGS-SHOP BESTELLT. DIE HABEN SCHÖNE VIELE TASCHEN."

  • "Jau." (Das hat jetzt was genau mit der vorherigen Frage zu tun?)

  • "FÜR LECKERLIES, BEUTEL, UND SO WEITER."

  • "Ja, was man dann halt so braucht." (Also ICH aktuell Messer, Chlorophorm,…)

  • "WIR SIND AUCH BEI WIND UND WETTER UNTERWEG."

  • "Wissen Sie, warum ich gerne mit dem Hund spazieren gehe? Der Macht sein Ding - und hält dabei seine Fresse!" (Okay, scheinbar hab ich nun die Reihenfolge verwechselt und den GEDANKEN laut ausgesprochen)

  • "KOMM OSCAR, WIR ZWEI BEIDE GEHEN DANN MAL WEITER…!!"

Na gut, dann hatte es doch was Gutes. Es ist ja schön, wenn sich jemand viel mit dem Hund beschäftigt. Aber er muss ja nicht auch noch MICH damit beschäftigen. Die Hunde wirken bei solchen Gesprächen entweder so, als wären sie Kanye West und die stolz geschwillte Brust droht schon fast zu bersten. Oder der Blick der Hunde verrät den Wunsch nach einem Leben wie es einst die Ahnen taten: alleine. Im Wald. In Ruhe…

Erleichtert, nun doch "so schnell" aus der Nummer heraus gekommen zu sein, beschließe ich meinen Standort tiefer in das Feld zu verlegen. Von dort feuere ich Wurfspielzeuge in Form von kleinen roten "Rettungsbojen" aus allen Rohren. Die findet man im Gras hervorragend wieder, da man sie durch die Farbe gut erkennen kann.

Gut erkennen kann ich dann auch einen weiteren Spaziergänger mit Hund. Die Entfernung zur Straße zahlt sich nun aus, denn sie sorgt in den meisten Fällen dafür, dass "die Unsympathischen" ihrer Gesprächs-Passion nicht nachgehen können. Außer es handelt sich um ganz schwere Fälle. Aber dann ist eh alles verloren. Dann hilft nur, sich eine der roten Hartgummi-Bojen an die Schläfe zu schlagen und hoffentlich bewusstlos zu Boden zu sinken.

Die Entfernung vermag zwar ein Gespräch in vielen Fällen zu vermeiden - die Unsympathischen aber werden allein dadurch nicht automatischen zu "den Sympathischen". Die Unsympathischen zeichnen sich bekanntlich in weitaus mehr Eigenschaft als solche aus. In diesem Fall zum Beispiel durch Ihre Geh-Geschwindigkeit. Sind diese nicht ohnehin schon langsamen Fußes unterwegs, getreu dem Motto "nur stehen ist noch langsamer", wird der zuvor stattliche Marsch auf ein erhabenes Schweben gedrosselt, sobald man sieht, dass da jemand tatsächlich ohne Leine mit seinem Hund auf einem abgelegenen Feld spielt.

Statt einfach normal weiter zu gehen, während ich mit Mühe versuche, mein spielfreudiges Haustier zumindest so lange abzulenken bis die anderen wieder außer Sichtweite sind, wird nun erstmal jede Hausfassade bewundert, jeder Grashalm einzeln dem Hund für sein Geschäft angepriesen und auf halber Strecke auch gerne genüsslich ein Schluck aus der Flasche genommen, die man in seiner Handwerkerhose aus einem Arbeitsbekleidungs-Shop verstaut hatte…

Für die zweite Hälfte des Weges zwingt man dann entweder einem Anwohner ein Gespräch auf, der das Pech hatte kurz vor die Tür getreten zu sein - oder aber, sofern kein Anwohner vorhanden ist - ein Auto angehalten um sich mit den Insassen minutenlang zu unterhalten.

Aus der Distanz lässt sich nicht vernehmen, ob sich die jeweiligen Parteien schon bekannt sind; es wäre aber ja aber auch immer in doller Zufall, wenn man sich jedes Mal genau dann "endlich mal wieder begegnet, um sich über die Ereignisse der letzten Jahre" auszutauschen, wenn ich meinen Hund mal eben kurz auf dem Feld auspowern will…

Kurz überlege ich noch, ob die Wucht einer aus solcher Entfernung geschmetterten Hartgummi-Boje auch wirklich ausreichend tödlich ist, entscheide mich aber dann aber aufgrund des zu hohen Unsicherheitsfaktors dagegen und beschließe, dann eben doch einfach spazieren zu gehen. Natürlich in entgegengesetzter Richtung zum Unsympathen!

So gehe ich nun in Gummi-Stiefeln, Feld-verdreckter Hose und mit drei roten Gummibojen behangen durch die Straßen der Nachbarschaft. Was das äußere Erscheinungsbild angeht, so haben viele Gassi-Gänger wohl schon länger einfach aufgegeben…

Auch daran kann man übrigens die "Sympathischen" von den "Unsympathischen" oftmals unterscheiden. Ist für die Unsympathischen der Spaziergang ein Event, für welches man sich angemessen kleidet, ist es bei den „Sympathischen“ eher so, dass man in seinem …sagen wir… "zweckdienlichem" Look eher nicht besonders nah an andere Menschen heran möchte. Und genau das ist das Gute daran!

Immer mit dem Blick für Passenten mit Vierbeinern, denen es auszuweichen gilt, kommen wir nun also recht gut voran und werden die Runde wohl auch bald abschließen können…

…Natürlich fängt es aber noch an zu regnen…

So kann ich zwar immerhin völlig legitim mein Gesicht unter einer Kapuze verbergen, darf aber nun zuhause noch einen nassen Hund trocken rubbeln…

Hätte ich es wohl ohne die beiden Unsympathischen geschafft, noch vor dem Regen mit dem Hund ausreichend lang gespielt zu haben? Ja verdammt nochmal, natürlich hätte ich es geschafft!

Es soll an dieser Stelle aber nicht der Eindruck entstehen, dass nur Hundebesitzer unwillkommene Begegnungen provozieren können! Dies geht selbstverständlich auch ohne Haustier und gilt besonders für das Gegenteil vom Hundefreund: dem Hundehasser.

Diese wohnen zumeist in Häusern, in deren Vorgärten kleine, mittlerer oder auch große Schilder stehen, auf denen in verschiedenen Varianten die immer gleiche Botschaft verkündet wird: "Hier bitte den Hund nicht kacken lassen".

Ist man sich über die Kernaussage allgemein einig, besteht in der Formulierung in der Regel Uneinigkeit. So beschränken sich einige auf ein Piktogramm eines hocken Hundes, welcher durchgestrichen ist - andere wiederum nutzen eher Textbotschaften. Diese reicht von verschiedenen Formulierungen bis hin zu verschiedenen Sprachen. Um ganz sicher zu gehen wählen hier einige ganz gewieft englisch, schließlich will man hier ja nicht nur den deutschen Schäferhund ansprechen, sondern auch den aus China stammenden Mops oder den aus rumänischen Tierheimen geretteten Pflegefall.

Mein Hund hingegen ist entweder Analphabet - oder aber Anarchist: denn er setzt seinen Haufen mitten auf eines der kleineren Schilder!

Nun bin ich nicht nur stolz, nass, schmutzig und mit Hundespielzeug behangen - ich trage nun auch noch einen nicht nach Rosen duftenden Plastikbeutel mit mir umher…

Kurz vor dem heimischen Hof kreuzt mein Weg dann einer der Hundehasser, der nicht beschlossen hat am Fenster zu kauern und zu beobachten, ob seine Schilder auch funktionieren, sondern der offenbar im Außendienst für seine Sache unterwegs ist.

  • "KÖNNEN SIE MIT IHREM HUND NICHT DORT VORNE GEHEN? ICH HABE ANGST VOR HUNDEN!"

  • "Aber guter Mann, das kann ich ja nicht wissen. Genau so wenig konnten Sie ja nun wissen, dass ich eine Allergie gegen Arschlöcher habe. Ansonsten hätten Sie wahrscheinlich auch Rücksicht auf mich genommen und wären hinter ihrem "Hier nicht kacken-Schild" stehen geblieben. Nun müssen wir leider beide damit leben. Tschöhö."

Auf dem Weg zur Haustür entsorge ich noch den Hundebeutel. Dabei fällt mir noch ein weiterer Punkt ein, warum ich Hunde lieber mag als Menschen: für das, was aus denen heraus kommt, reicht ein kleiner Plastikbeutel um es einzusammeln und wegzuwerfen. Bei dem, was dagegen bei manchen Menschen für eine Scheiße heraus kommt, hilft wenn überhaupt nur ein GROßER Plastikbeutel. Und auch nur dann, wenn man ihn am Hals schön straff zuschnürt.

WEITERE QUELLEN:

Intro und Outro: Instrumental von StuBeatZ - http://bit.ly/MMH-Beatz Soundeffekte: www.salamisound.de


Kommentare

Phil Anthrop
by Phil Anthrop on
Danke, das freut mich zu hören. Herzlich willkommen in Misanthropolis :D
Carisma
by Carisma on
Da hat aber jemand mit viel Humor den Nagel auf den Kopf getroffen!!! Sehr gut!!!! Liebe Grüße von einer Hundenesitzerin

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