30.11.2020

INTERVIEW!

Mit großer Freude darf ich kund tun, dass ich im Podcast "BACKSTAGE!" von Schauspielerin, Autorin und Hörspielsprecherin Leni Bohrmann mein Projekt AUS MISANTHROPOLIS vorstellen durfte!

Einen Blick hinter die Kulissen, die Hintergründe und die ein oder andere Anekdote von und über AUS MISANTHROPOLIS bekommt ihr in der heute veröffentlichten Ausgabe des Kulturpodcasts:

Hört rein und lasst gerne einen Like, ein kostenloses Abo und / oder einen Kommentar dort:

https://backstage.podcaster.de/2020/11/30/folge-38-der-etwas-andere-selbstfindungs-podcast-aus-misanthropolis/

Vielen Dank an Leni vom Backstage Podcast!

Bericht 02 - Nur kurz einkaufen

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2.) Kurz mal eben Einkaufen

Ein ganz normaler Wochentag. Doch halt, nicht GANZ normal. Ich habe Urlaub! Uuuh yeah! Trotz des Ausschlafens – sofern man als Hundebesitzer davon sprechen kann – ist es noch früh am Tag. Wenn ich JETZT noch schnell die Einkäufe erledige, habe ich den ganzen Tag frei für mich…

Die Fahrerin im zweiten Auto vor mir versucht mittlerweile zum sechsten Mal mit Ihrem lila-farbenen Renault Clio in die Parklücke zu kommen, in der zuvor der Transporter vom hiesigen Gartenlandschaftsbauer samt Anhänger gestanden hat. Als ich mich beharrlich weigere, durch zurücksetzen meines Fahrzeuges noch mehr Platz zum Rangieren für die Dame zu machen, gibt diese dann tatsächlich schon nach dem neunten Ansatz auf und fährt weiter. Der Fahrer des Wagens vor mir scheint kurz weggenickt zu sein und verpasst so, im Gegensatz zu mir, den entscheidenden Augenblick, blitzschnell in die Parklücke zu gleiten. So groß wie die ist hätte er vielleicht sogar noch daneben gepasst – er braust dennoch, wohl nun endgültig bedient, davon.

Zufrieden schließe ich mein Vehikel ab, um es kurzfristig gegen ein anderes zu tauschen. Dazu nähere ich mich einem der Häuschen, in welchem die Einkaufswagen stehen. Ein einzelner steht noch dort, welchen ich mir dann auch schnappe; ist ja nicht wie mit Keksen, bei denen man immer noch einen “aus Anstand” übrig lässt. Hätte ich es mal getan… Dann wäre mir das nun folgende wohl erspart geblieben:

So wie ich nämlich just mit dem Wagen losziehen will, fährt mir eine ältere Dame in die Parade. Das milde Lächeln im Gesicht passt so gar nicht zu der Vehemenz, mit der sie mir mit einer Hand an den Arm und mit der anderen an den Wagen greift, um uns beide voneinander zu trennen. Je länger wir rangeln, desto deutlicher entschwindet ihr aufgesetztes Lächeln und umso undeutlicher ist das zu verstehen, was sie mir wohl irgendwie in harschem Ton mitteilen möchte.

Ich weiß überhaupt nicht was hier gerade abgeht, spüre aber Wut in mir aufkochen und schleudere den Wagen zur Seite. Zeternd hechtet die Hexe hinter ihm hier. Während ich gestikulierend meinem Unverständnis Luft machen möchte, streift meine Hinterhand leicht den Oberarm einer weiteren Frau, welche sich aufdringlich nah an mir vorbei zu drängen versucht.

  • “JETZT WIRD MAN HIER AUCH NOCH GESCHLAGEN?!”, entfährt es ihr.

Mir hingegen fällt jetzt gerade gar nichts mehr dazu ein. Völlig konsterniert entferne ich mich vom Schauplatz, als mir plötzlich die Hexe mit MEINEM Wagen noch einmal voll in die Hacken fährt, ehe sie damit an mir vorbei hetzt.

Ich hatte sie gar nicht kommen hören, da gerade mit einer Art Gabelstapler schätzungsweise 30 Einkaufswagen unter ohrenbetäubendem Lärm über den Parkplatz gefahren werden, um diese im Häuschen hinter mir unter zu bringen…

…Es interessiert mich aber nicht mehr…

Nur widerwillig steuere ich auf den Eingang des Supermarktes zu, denn es gibt nur wenige Orte, an denen Misanthropolis derart deutlich sein Gesicht unter nur einem einzelnen Dach zeigt. Da schießt schon wieder etwas an mir vorbei! Dieses mal zwei Omis. Mit der letzten, mir noch aus der vorherigen Schlacht übrig gebliebenen Kraft, halte ich mich auf den Beinen. Die beiden scheinen es eilig zu haben – und der Grund dafür liegt praktisch auf der Hand:

Scheinbar ist man gerade erfolgreich damit fertig geworden, die Arbeitnehmer-freundlichen Terminfenster von Ärzten frühmorgens zu blockieren und nun schon eilig drauf und dran, der nächsten Obsession eines pflichtbewussten Renters nachzugehen: Blockade in Gang 3.

Gang 3 ist sowas wie das Kamener Kreuz in diesem Supermarkt: dort muss einfach alles durch, sein es Kunden oder eben auch Angestellt, die Ware verräumen müssen.

Ich meine aus der Ferne noch ein “KOMM SCHON INGE! MANÖVER: BERLIN 61“ zu vernehmen, als die beiden auch schon Aufstellung nehmen. Zack. Der Gang ist erfolgreich okkupiert und somit das gewohnte Bild eines jeden Supermarktes erfolgreich hergestellt.

Unterhalten kann man sich ja nicht vorne beim Bäcker oder an Stellen an denen Platz ist, nein, es muss mitten im Gang sein…!

Ab jetzt heißt es für die beiden “quatschen” und für alle anderen “quetschen”. Oder aber, man versucht das Gebiet weiträumig und Umwege-in-Kauf-nehmend zu umgehen.

Ob das vielleicht sogar seitens der Supermärkte so gewollt ist? Steckt ein Plan dahinter, so Kunden in Gänge umzuleiten, in denen der Umsatz zuletzt nachgelassen hat? Bezahlt man die beiden Omis wohlmöglich auch noch dafür? Mit der knappen Rente alleine schafft man es jedenfalls nicht zu so einem stattlichen Körperumfang. Doch bevor ich diese skrupellosen Machenschaften endgültig aufdecken kann, reißt mich schon wieder das nächste Hindernis aus meinen Gedanken.

Vor den großflächig verglasten Kühlschränken mit Wurst-Aufschnitten aller Art, harren zwei Gestalten mit gebatikten Ballonhosen und Dreadlocks aus. Wie in Trance starren sie auf die Auswahl und nehmen scheinbar ansonsten gar nichts mehr wahr. Mich zum Beispiel nicht, der irgendwie nur kurz ein Päckchen Kochschinken heraus nehmen möchte…aber…einfach nicht…heran kommt.

  • "DIE VERKAUFEN HIER JA NOCH IMMER PRODUKTE VON „WIESENHOF“. NEE MAN KOMM, LASS‘ MA DIE SACHEN AUS UNSEREM ECHT-JUTEBEUTEL WIEDER RAUS TUN UND GEHEN. WIR HABEN EH NORMALES MEHL GEKAUFT STATT ROTE-LINSEN-MEHL… "

In Zeitlupe wenden sich die beiden ab, um dann gemächlich weiter zu schlurfen.

Bevor mir direkt wieder jemand in die Quere kommt, reiße ich den Schinken aus dem Regal und setze meinen Weg fort, Richtung Käse-Regal.

Dort ist gerade der Azubi damit beschäftigt, die Produkte in den Fächern von hinten an die durch Herausnahme von Ware frei gewordenen vorderen Flächen zu stellen, damit es von vorne immer schön voll und gleichmäßig aussieht. Gerade ist er nach wohl minutenlangem Hangeln in der bitteren Kälte der Schränke fertig geworden und betrachtet nun fröstelnd, aber zufrieden sein Werk.

Da grapsche ich auch bereits schon wieder nach einer Packung „Junger Gouda“ und zerstöre damit sein so mühevoll zu bildlicher Harmonie geformtes Bild. Es gab Zeiten, da hätte mich so etwas tatsächlich vom Kauf abgehalten. Oder ich hätte wenigstens beim vorsichtigen Herausnehmen ein aufrichtiges „Sorry“ von mir gegeben. Und das sogar ehrlich gemeint. Aber das ist nun vorbei. Das passiert mir nicht in „Misanthropolis“! Ohne mich noch einmal umzudrehen verlasse ich den Tatort.

Irgendwo kreischt ein Kleinkind. In Supermärkten kreischt immer irgendwo ein Kleinkind. Oder ist es vielleicht der Azubi gewesen?

An der Kasse angekommen lasse ich noch eine junger Mutter vor, die in einer Hand eine Packung Windeln trägt und mit der anderen Hand den vermutlichen Grund für den Kauf dieses einen Produktes vor sich her schiebt. Eine nette Geste meinerseits, schließlich ist die Dame sicher froh, eben schnell die Windeln gekauft zu haben während der Kleine schläft und so vielleicht ein paar kurze, aber kostbare Minuten an der Kasse gespart hat. So war zumindest mein Gedanke…

Misanthropolis belehrt mich jedoch eines Besseren… oder eher “Schlechteren”. “Mutti” trägt nämlich nicht nur ihren kleinen Wonneproppen im Herzen, sondern auch noch allerlei weitere Kleinkram an ihrem Körper und in dem hellblauen Kinderwagen. Dieser wird nämlich nun erstmal nach allen Regeln der Kunst entpackt: Toilettenpapier, Tütensuppen, Deo und Duschgel, Müllbeutel, Kaffee, noch mehr Kaffee… Das nicht auch noch das Gestänge abgeschraubt wird, weil man in den Hohlräumen ja auch noch Platz für Karotten gehabt hätte, wundert mich jetzt fast sogar. Wohlmöglich hat die gute Frau aber noch genug davon zu Hause. Das wäre aber dann auch scheinbar das Einzige, was sie nicht heute hat kaufen müssen…

Während des Entladevorgangs wird der eigentliche Passagier des Kinderwagens routiniert geschultert. Mit einem Blick, der mir ganz klar “TJA, DA HABEN WIR DICH MAL SO RICHTIG GEIL VERARSCHT” signalisiert, fokussiert mich der Kleine triumphierend.

Ich sende einen “Es kommt die Zeit, in der jedes Mal zu deinem Geburtstag Bilder von deinem wunden, kleinen Arsch herum gezeigt werden”-Blick zurück. Wir einigen uns auf ein Unentschieden.

Nachdem die Muddi alles wieder im Kinderwagen aka. Versorgungsschiff installiert und auch den Bezahlvorgang abgeschlossen hat, bin dann endlich ich an der Reihe.

  • "ENTSCHULDIGUNG. DÜRFTE ICH EVENTUELL KURZ VOR? ICH HABE NUR EIN BROT“, krächzt es auf einmal hinter mir.

  • "Nee Opa, tut mir leid. Ich weiß ja nicht was du da alles unter deinem Hut oder deinem Mantel hast! Das passiert mir heute kein zweites Mal. Fang doch einfach JETZT schon mal an deine "Pfennige" zu zählen, in der Zeit hab ich nämlich dann auch schon bezahlt. Und bin Zuhause. Und hab gefrühstückt."

Nachdem nun auch ich den Bezahlvorgang abgeschlossen habe sammle ich meinen Einkäufe ein und versuche sie in meinen Armen zu balancieren. Der Kochschinken rutscht kurz ab, ich kann ihn aber gerade noch vor dem Absturz retten.

  • “WIR HABEN DA DRAUßEN AUCH 'WAS GANZ TOLLES, DAS NENNT SICH EINKAUFSWAGEN!” klugscheißt auf einmal die Kassieren mich an und trifft dabei nach meiner Rangelei mit der Hexe zu Beginn einen besonders wunden Punkt.

  • "Ach was sie nicht sagen? In den neueren Filialen haben sie mittlerweile auch etwas ganz tolles, nämlich Kassen ohne Kasslerinnen!”

Entnervt verlasse ich den Laden und entlade meinen Einkauf im Auto.

Hmmm… frische Brötchen wären jetzt schon noch nice!

Ich beschließe tatsächlich nochmal umzudrehen und steure den Bäcker im Eingangsbereich des Supermarktes an. Dann mache ich einen entscheidenden Fehler: ich denke mir “Schlimmer kann es ja auch noch werden…”

Dabei beginnt es noch relativ erfreulich: Nur eine Dame ist vor mir. Doch diese gibt gerade ihre Bestellung auf. Und ich schwöre, es hat sich genau wie folgt abgespielt:

– "EIN SESAMBRÖTCHEN…MIT…KÄSE."

– "Wir haben leider kein Sesam mehr."

– "DANN EIN NORMALES BRÖTCHEN MIT KÄSE…UND EI."

– "Okay."

– "ABER OHNE TOMATE."

– "Aber mit Salat?"

– "JA. UND DANN HÄTTE ICH GERNE NOCH EINEN KLEINEN "KAFFEE.

– "Zum Mitnehmen?"

– "JA, ABER MACHEN SIE WIRKLICH NUR EINEN KLEINEN."

– "So, bitte. Das macht dann…"

– "SORRY, ICH HÄTTE DOCH NOCH GERNE EIN SCHOKO-CROISSANT."

– "Eins?"

– "JA, UND NOCH EINEN MOHNSTREIFEN."

– "Kann das alles zusammen in eine Tüte?"

– "Ja, und dann hätte ich gerne noch ein kleines Vollkornbrot. Geschnitten."

– …

Irgendwann - niemand weiß genau wann - ist die Bestellung dann tatsächlich endlich abgeschlossen und meine Wenigkeit ist an der Reihe. Ja ich, der mit seinen teilweise auftauenden Einkäufen im Auto! Wirklich erleichtert bin ich allerdings nicht, denn ich weiß ja was nun kommt: MEIN Bestellvorgang.

Egal was ich nun tue, es wird aus Sicht der Bäckereifachverkäuferin nicht das Richtige sein…

Nenne ich zu Beginn des Vorgangs zum Beispiel erstmal die Gesamtanzahl der von mir gewünschten Brötchen - sagen wir mal beispielsweise “vier” -, da sich danach auch die Größe der Brötchen-Tüte richtet, werden mir IMMER vier NORMALE Brötchen eingepackt.

Beginne ich dagegen, meine Bestellung nach und nach aufzusagen, bringt mich auch das nicht direkt an mein Ziel…

  • "Ich hätte zunächst gerne eine von den Laugenecken…"

  • "DARF ES SONST NOCH WAS SEIN?"

  • "Ja, zwei Dinkel-Kürbiskern-Brötchen und ein Normales."

  • "ALSO EIN NORMALES, EIN DINKEL-KÜRBISKERN UND…WAS WAR DAS ANDERE NOCH?"

  • "Laugenecke…"

  • "ZWEI LAUGENECKEN?"

  • "Eine…"

  • "ALSO EINE LAUGENECKE, ZWEI NORMALE UND EINS MIT SONNENBLUMENKERNEN."

  • "Nein… Es ist: eine Laugenecke, ein normales Brötchen und von Sonnenblumenkernen hat überhaupt keiner gesprochen."

  • "ACHSO, ALSO EINE LAUGENECKE UND EIN NORMALES BRÖTCHEN."

  • "…und zwei Dinkel-Kürbiskern!!!"

  • "AH OKAY, MOMENT, DANN MUSS ICH EINE GRÖßERE TÜTE NEHMEN."

Während ich mir noch denke, dass die Gute “eine größere Tüte” bereits geraucht hat, verlasse ich den Bäcker und überlege, mich einfach hier auf dem Parkplatz überfahren zu lassen…

Aber das einzige Auto, das dort gerade seine Runden dreht, ist die Frau mit ihrem lila-farbenen Renault Clio, die immer noch einen Parkplatz mit der Größe eines Flugzeugträgers sucht…

Ich setze mich in mein Auto. Die Olle würde mich wahrscheinlich eh nicht treffen…

WEITERE QUELLEN:

Intro und Outro: Instrumental von StuBeatZ - http://bit.ly/MMH-Beatz Soundeffekte: www.salamisound.de


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